Die Zeit rennt…

Die Zeit ist anscheinend das Problem. Eigentlich hatte ich mir nur drei Wochen Bedenkzeit gegeben, um Euch meine Entscheidung, wie geht es weiter, mitzuteilen. Nun ja, was soll ich sagen, es sind zwei Monate geworden 😦 . Aber der Reihe nach…

Seit Juni kämpfe ich weiterhin mit dem rechten Schienbein. Die Entzündung der Knochenhaut ist sehr „langlebig“ und ließ mich manchmal auch ein wenig verzweifeln. Inzwischen bin ich jedoch optimistisch, dass ich demnächst wieder voll durchstarten kann. Es hilft nur Ruhe und ein Rundumsorglos-Paket meiner Physios.
Das Lauftraining ruht deshalb immer noch. Dafür versuche ich neben Rennradfahren und Schwimmen wieder andere Sportarten in den Trainingsplan mit aufzunehmen. So waren Beachvolleyball, Bouldern und Kajakfahren eine gute (und gesunde) Abwechselung.

Nachdem der Ironman 70.3 in Slowenien abgesagt wurde, stand jedoch trotzdem schnell fest, dass wir die Reise nach Slowenien antreten. Nach diversen kurzen Stops (Berlin, Leipzig, Salzburg) kamen wir Anfang September in Koper (Slowenien) an. Die Woche an der Adria hat uns (Philipp, Wanda, Pascal, Nils und meinen Eltern) sehr gut gefallen. Koper ist eine der größten Städte Sloweniens und liegt direkt am Meer. Ich nutzte die Zeit und trainierte das Schwimmen im „Open Water“. Die Erfahrung, Salzwasser zu schmecken und den Wellengang beim Einatmen zu spüren, haben mich in meiner Entscheidung für 2021 stark beeinflusst. Ich war ja zuvor schon schockiert, als ich sah, was für Gegenstände in den Schweriner Seen herumliegen. Das wurde mit sichtbaren Minen im Meer noch getoppt. Neben dem Schwimmtraining wurde fast täglich gebeacht.

Eine neues Lieblingshobby der Reisegruppe war schnell gefunden. Wir fühlten uns oft in die Jugend versetzt (jaja, ist auch schon einen Moment her 🙂 ) und traten zu einer Schatzsuche nach der anderen an. Der „Schatz“, den es in diesem Fall zu finden galt, war ein Sandstrand. Ich sage Euch, ein mega cooles Hobby, dass ihr auf jeden Fall mal an der Adria-Küste von Slowenien ausprobieren solltet. Für diese Schatzsuchen wurde jeden Tag ein „Teamer“ bestimmt, der der Meinung war, dass er den Weg zum Sandstrand bzw. generell erst einmal einen Sandstrand gefunden hatte. Eine unserer Highlight-Wanderungen gab es bereits am zweiten Tag. Teamer war Philipp („Der weiße Kenianer“ und „der jüngste Doktor Deutschlands“). Siegessicher ging er voran und wies die Reisegruppe an, das Fahrzeug in den angrenzenden Weinbergen von Isola zu parken. Den Rest des Weges müsste man zu Fuß gehen. Aufgrund der Tatsache, dass Philipp und mich eine langjährige Freundschaft verbindet, entschied ich mich dazu, festes Schuhwerk anzubehalten. Pasi, Nils und Wanda – noch ein wenig „grün“ hinter den Ohren – entschieden sich für das Flip-Flop-geprägte Strandoutfit und so brachen wir auf zu unserer Horrorwanderung, von der wir vermutlich noch unseren Kindern erzählen werden:
Nachdem wir die Weinberge hinter uns gelassen hatten, schlenderten wir über eine offene Wiese mit kniehohem Gras. Da wir unser Ziel laut Karte deutlich näher vermuteten, als den Weg, den wir beschritten hatten, hielt Wanda kurz Rücksprache mit einem Pärchen, das uns entgegen kam. In ihrem besten Englisch fragte sie die beiden, ob sie gerade vom Strand kämen und in welche Richtung wir weiter laufen müssten. Zur Antwort bekam sie: „Du kannst auch Deutsch mit uns reden. 🙂 Ihr müsst weiter den Weg geradeaus und dann geht rechtsseitig ein schmaler Weg weg!“ Mit einem Schmunzeln im Gesicht verabschiedeten wir uns und liefen weiter geradeaus. Nach einer Weile ging rechts ein schmaler Weg weg. Unser Teamer vorweg: „Ja, das muss der Weg hier sein!“. Unsere Skepsis angesichts ein deutlich sichtbaren Schildes: Durchgang verboten, Absturzgefahr = Lebensgefahr, wurden von Philipp mit einem lapidaren: „Diese Schilder stehen doch immer bei Abkürzungen. Vertraut mir, das ist der Weg. Seht ihr hier auf der Karte. Das ist eine sichere Nummer“, abgetan.
Nun gut, was will man dazu sagen, wenn der jüngste Doktor Deutschlands das Zepter in der Hand hält. Also machten wir uns auf den Weg in den angrenzenden Wald. Der schmale ausgetretene Weg führte uns über abgestürzte Bäume, durch dichte Sträucher, vorbei an einem Zelt in Camouflage. Ja, mitten im dichten Wald stand ein Zelt, was augenscheinlich noch bewohnt wurde. *Gruselig*, wo wollte Philipp denn mit uns hin? Und vielleicht hatten wir ja gerade den Vorstandvorsitzenden von Wirecard auf seiner Flucht entdeckt?! Also doch eine richtige Schatzsuche…
So liefen wir Stück für Stück weiter durch den Wald und standen plötzlich vor einer Klippe mit einem grandiosen Blick aufs Meer, jedoch ohne jede Möglichkeit, lebendig nach unten zum Strand zu gelangen. Aus diesem Grund entschieden wir uns – nach getätigten Insta-Fotos – den Rückweg anzutreten. Nachdem wir unser ‚Startschild‘ passiert hatten und jeder seine Abschürfungen, Kratzer auf den Wangen und zum Teil aufgeschnittene Füße inspiziert hatte, entschuldigte sich unser Doktor kleinlaut :-). Ich schnürte noch einmal die Turnschuhe neu und war voller Tatendrang, den Weg runter zum Wasser zu finden. So motivierten wir uns gegenseitig und liefen in eine neue Richtung. Nach weiteren 25 Minuten erreichten wir eine selbstgebaute Treppe, die uns runter zum Strand bringen sollte. Der Abstieg gestaltete sich entspannt und machbar. Kurz bevor wir das unterste Level erreichten, zog ich meine Schuhe und Socken aus und freute mich darauf, feinen, weichen Sand zwischen meinen Zehen zu spüren. Was bekamen meine „pedikürten Füße“ zu spüren: heiße Steine, spitze Muscheln, glitschige Quallen und vieles mehr…
Der Badetag in der Bucht war jedoch ein schönes Erlebnis. Da dieses „Fleckchen Erde“ wohl ein Insider-Tipp war, war es auch wenig frequentiert. Warum nur?! 🙂
Aufgrund der Tatsache, dass das Liegen auf den Steinen eher unbequem war, traten wir nach zweimal Baden wieder die Heimreise an. (Eins kann ich Euch noch verraten: Philipp wurde in diesem Urlaub nicht mehr als Teamer bestimmt. 🙂 Und auch einen Sandstrand haben wir in diesem Urlaub nicht mehr gefunden.)

Am 06.09.2020 stand ich früh auf und machte mich fertig für eine Schwimmeinheit. Es war ein schöner Tag. Das Meer war ruhig und eigentlich wäre ich in 20 Minuten an den Start zu meinem ersten Ironman 70.3 gegangen. Ich schwamm 2500m im Meer. Meine gute Laune hielt sich in Grenzen. Ich hatte mich über ein dreiviertel Jahr auf den Wettkampf vorbereitet und spürte nun einfach nur eine Art von Enttäuschung. Nachdem ich aus dem Wasser geklettert war, wurde mir bewusst, wie windstill es war und dass ich mich eigentlich gerade auf der Rad- und Laufstrecke befinden würde. Etwas schlecht gelaunt ging ich über den Markt (es gab noch eine große Wassermelone) zurück zur Unterkunft. Um mich abzureagieren, schlug ich eine erneute Einheit Beachvolleyball vor. Und so machten wir uns nach dem Frühstück wieder auf in den Sportpark von Koper – eine schöne Outdoor-Sportstätte für Jedermann. Acht Beachvolleyballfelder, ein Beachhandballfeld, Trampoline und diverse Outdoorsportgeräte standen dort zur Verfügung. Die Trainingsarena wurde durch die Stadt finanziert und unterhalten. Ein schönes Projekt…

Unserer Aufenthalt in Slowenien ging zu Ende und unsere Reisegruppe teilte sich wieder auf. Philipp und Wanda machten im Mietwagen noch Italien unsicher. Nils, das fleißige Bienchen, musste wieder nach Hause und arbeiten. Für den Rest ging es weiter nach Österreich zum Wandern und Mountainbiken – also in’s wahre Terrain der Bergziegen, wo wir uns am meisten wohlfühlen. Wie freuten uns, wieder einmal Gäste von Karolin und Joseph im Hotel „Serles“ zu sein.

Fortsetzung folgt…

Eure BergZiege Paule

PS.: Philipp ist kein Doktor – noch nicht – eventuell bald. Hab‘ dich trotzdem lieb. 🙂

Veröffentlicht von rasengott8

Hey Guys, follow me on Instagram: team_bergziege Triathlet auf dem Weg zum ersten Ironman.

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